Der Schotte vom Chiemgau
by julia.osterwald

Karl Held ist Bayer, Betriebsratsvorsitzender und Karnevalist. Am schönsten ist es für ihn, wenn er zum Fasching alle seine Leidenschaften verbinden kann. KOMPAKT ist bei dem begeisterten Karnevalisten in seiner Heimat im Chiemgau gewesen.
Wenn in Oberbayern die närrische Zeit beginnt, ist Karl Held in seinem Element. Der Betriebsratsvorsitzende der AlzChem AG in Trostberg baut jedes Jahr preisverdächtige Umzugswagen, um dann mit den anderen 500 Mitgliedern des Faschingsvereins Oidnmarkta Bochratz’n, also den »Bachratten von Altenmarkt«, durch die Straßen zu ziehen.
Bislang ist auf dem acht Meter langen Tieflader nur das Holzgerüst zu sehen. Doch schon bald wird dort eine kleine schottische Burg stehen, bevölkert von bonbonwerfenden Burgfräulein und Kindern sowie einer Männertanzgarde in Schottentracht. Karl Held hat sich eigens dafür einen echten Dudelsack zugelegt.
»Dös macht einiges her«, sagt er. Schließlich werden zum großen Umzug mehr als 10 000 Zuschauer erwartet. 2011 war der Verein sogar mit einem Piratenschiff in Salzburg und hat dafür den ersten Platz im Wettbewerb gemacht. Das Preisgeld sei gleich in Material für den neuen Prachtwagen investiert worden.
Nun heißt das Motto: »Die Bochratz’n erobern Britannien.« Aber das sei zum Glück »nur zur Gaudi«, weil es auf der britischen Insel ja bekanntlich »koan bayrischen Hopfensaft und echte Weißwürstl« gebe. Ein bayerischer Genussmensch müsste dort wohl verhungern.

Also bleibe er lieber daheim, sagt Held, dessen Fachwissen und Hartnäckigkeit nicht nur im Beirat der IG BCE, sondern auch in der Bundestarifkommission geschätzt wird. Aber immerhin könne er jetzt die wichtigste Frage an die Schotten beantworten: »Auch unterm bayrischen Schottenrock is’ goar nix, do is’ nix und do wor nix.«
Seine Kollegen seien bei dem jährlichen Spektakel natürlich auch dabei. Allesamt Gewerkschafter, versteht sich. Schließlich sei der Düngemittelproduzent zu über 85 Prozent in der IG BCE organisiert. »Wir Oberbayern sind in unserer Kultur tief verwurzelt. Da legen wir großen Wert drauf, auch als Gewerkschafter, und unser Fasching gehört unbedingt dazu.«
Autor: Werner Staffen, Fotos: Werner Bachmeier

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