Keine Platzangst
by julia.osterwald

Martin Giesen (46) ist Kraftwerker bei STEAG Power Saar GmbH im Kraftwerk Bexbach. KOMPAKT hat ihn an seinem Arbeitsplatz besucht.
»Die Kohle wird bei uns mit vollautomatischen, computergesteuerten Schaufelradbaggern über Kohlebänder in eine Mühle transportiert, dort zu Kohlenstaub zermahlen und dieser dann in die Befeuerung geblasen. Die Asche ist ein begehrter Baustoff für die Betonindustrie. Mein Job ist die komplette Überwachung aller Betriebsvorgänge in der Leitwarte und das An- und Abfahren der Anlage, wenn mal gerade kein Bedarf an unserem Strom ist. Oder ich kontrolliere als sogenannter ›Rundläufer‹ auf dem Betriebsgelände die Anlage, also den Maschinenbetrieb, Dampferzeugung, Rauchgasentschwefelung oder Wasseraufbereitung.
Als Steinkohlenkraftwerk verfeuern wir bis Juni 2012 noch Saarkohle, dann werden wir ausschließlich Kohle aus Übersee und Osteuropa importieren müssen, weil die saarländische Landesregierung den Ausstieg aus der heimischen Förderung beschlossen hat. Unsere Arbeitsplätze im größten saarländischen Kraftwerk mit einer Leistung von 780 Megawatt und dem 145 Meter hohen Kühlturm sind trotzdem sicher: Wir haben mit dem Stromversorger EnBW einen Liefervertrag bis mindestens 2018. Der Betrieb des Kraftwerkes ist sehr variabel – wir können es sehr schnell auf sehr wenig Leistung herunterfahren. Und wir sind als Mittellastkraftwerk bestens geeignet, Belastungsspitzen – etwa zur Mittagszeit – auszugleichen.
Bei der Revision alle zwei Jahre wird das Kraftwerk komplett stillgelegt. Dann müssen wir auch schon mal rein in die Brennkammer und mit Ultraschall die Wanddicke der Verdampferrohre prüfen. Das ist dann weniger angenehm und nichts für Leute mit Platzangst. Das Wichtigste in unserem Beruf außer Fachkenntnissen ist die Teamarbeit. Meine Kollegen sind alle in der IG BCE organisiert – auf die kann ich mich jederzeit verlassen.«
Aufgezeichnet von Werner Staffen, Foto: Carsten Büll
Das Berufsbild
Geprüfter Kraftwerker ist eine bundesweit geregelte berufliche zweieinhalbjährige Weiterqualifikation nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Möglich ist auch eine dreijährige Ausbildung zum »Wärmestellengehilfen«.

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